Studie zu Entrepreneurship Education

Die drei Hochschulen, HS Reutlingen, HS Aalen und HdM Stuttgart veröffentlichen Publikation zur Förderung von Gründungskultur an Hochschulen.

Seit 2016 wurden an den drei beteiligten Hochschulen zahlreiche Angebote und Lehrformate für Studierende entwickelt, um das Thema Entrepreneurship Education curricular zu integrieren und eine Änderung des Mindsets in Richtung Entrepreneurship und Innovation zu bewirken.

Im Rahmen der Begleitforschung wurden an den drei Hochschulen im Zeitraum von Oktober 2017 bis März 2019, 2.864 Studierende zur Gründungskultur an der Hochschule befragt. Die Fragebogenstudie erfasst dabei die Themenbereiche Gründungskultur und Sichtbarkeit an der Hochschule, Einstellung zum Thema Gründung und berücksichtigt diese in Bezug auf personale und soziale Einflussfaktoren. Basierend auf den Erfahrungen und Ergebnissen aus der Begleitforschung des Projektes können konkrete Handlungsempfehlungen für die Entrepreneurship Education an Hochschulen abgeleitet werden. Neben den Ergebnissen der Begleitforschung werden darüber hinaus erfolgreiche Formate für die Lehre und Erfahrungen aus dem Projekt weitergegeben.

Ergebnisse zur Gründungskultur an der Hochschule

Frühe Kontaktpunkte, eine breite Integration und die Einbindung der Lehrenden sowie der Hochschulleitung fördern eine ermutigende Gründungskultur.

Im Rahmen des Projektes wurden an den drei Hochschulen mehr als 10.000 Studierende zu Beginn Ihres Studiums für das Thema Entrepreneurship sensibilisiert. Die Ergebnisse der Spinnovation Studie zeigen: Wer mit dem Thema Entrepreneurship in Berührung kommt, fühlt sich an der Hochschule unternehmerisch ermutigt. Studierende, die Veranstaltungen mit Entrepreneurship-Bezug besucht haben, geben in 70% der Fälle einen höheren Wert bei der Frage nach der unternehmerischen Ermutigung an. Darüber hinaus ist die Einbindung von Lehrenden sowie der Hochschulleitung besonders wichtig zur Förderung der Gründungskultur: Studierende, welche die Einstellung der Lehrenden zum Thema Gründung als positiv wahrnehmen, fühlen sich auch eher unternehmerisch ermutigt.

Ergebnisse zur Sichtbarkeit von Entrepreneurship-Einrichtungen und Gründerzentren auf dem Campus: Entrepreneurship Education an der Hochschule braucht nicht nur eine Marke, sondern auch einen festen Ort und ein Gesicht.

Entrepreneurship Education und Gründungsförderung brauchen an den Hochschulen einen festen (im ideal öffentlich sichtbaren) Ort, der als Anlaufstelle dient, sowie Personen und Persönlichkeiten – und insbesondere auch eine starke Marke, um den Wiedererkennungswert zu erhöhen und im Bewusstsein der Studierenden präsent zu sein. Sichtbarkeit ist wichtig: 70% der Studierenden, die mit dem Thema Entrepreneurship in Kontakt gekommen sind, kennen passende Ansprechpartner an der Hochschule. Im Gegensatz dazu wissen 67% der Studierenden, die keine Kontaktpunkte hatten, nicht, an wen sie sich bei Fragen zum Thema Gründung wenden sollen. Zudem fühlen sich Studierende, die entsprechende Ansprechpartner kennen, an der Hochschule eher unternehmerisch ermutigt.

Ergebnisse zur Einstellung der Studierenden zum Thema Gründung: Viele Studierende haben Angst vor dem finanziellen Risiko, sowie Angst zu scheitern. Gleichzeitig sind Impact und Selbstbestimmung größerer Motivator als finanzieller Erfolg. Dieses Narrativ muss an der Hochschule in entsprechenden Formaten aufgegriffen werden.

Bei der Einschätzung der Studierenden, ob sie sich eine Unternehmensgründung als Perspektive vorstellen können, zeigt sich zunächst einmal ein positives Bild. Mehr als doppelt so viele Studierende stimmen der Aussage voll und ganz zu (n=373), als dass sie eine Unternehmensgründung grundsätzlich ablehnen (stimme überhaupt nicht zu n=144). Der größte Anteil der Studierenden beantworte die Frage nach einer perspektivischen Unternehmensgründung mit „Weiß nicht“ bzw. einer tendenziellen Zustimmung „Stimme eher zu“. Daraus ergibt sich ein wichtiges Handlungsfeld für die Entrepreneurship Education an der Hochschule: Erst wenn alle Studierenden mit dem Thema Entrepreneurship in Berührung kommen, können auch jene, welche sich unsicher sind, mit dem Thema erreicht werden.

Ziel der Spinnovation Studie war es, mehr über die Einstellung der Studierenden zum Thema Gründung zu erfahren um basierend auf den Insights passende Lehrformate zu entwickeln und neue Handlungsfelder zu identifizieren. Dabei war auch von Interesse, welche Gründe aus Sicht der Studierenden für bzw. gegen eine Gründung sprechen. Die Möglichkeit, eigene Ideen zu verwirklichen, ist der meistgewählte Grund für die Motivation zur Gründung einer eigenen Unternehmung. Am zweithäufigsten spielt die Entscheidungsfreiheit, und somit die Möglichkeit, der „eigene Chef“ zu sein, eine Rolle. Auf Platz drei steht für die Männer der „finanzielle Erfolg“, bei den Frauen steht an dritter Stelle hingegen der Wunsch „ein Problem zu lösen bzw. ein Produkt zu entwerfen“.Auffällig ist, wie groß die Ängste vor finanziellem Risiko und die Sorge um Kapital sind: 73% aller Studierenden geben dies als Grund an, der aus ihrer Sicht besonders gegen eine Gründung spricht. Insgesamt gibt mehr als die Hälfte der Studierenden eine zu große Unsicherheit bzw. Angst vorm Scheitern als Grund an – bei den Frauen liegt diese Unsicherheit sogar noch höher: fast zwei Drittel aller Frauen (64%) würden sich aus diesem Grund gegen eine Gründung entscheiden. Die Erfahrung zeigt, dass es sich hierbei um eine Aufgabe hinsichtlich der Änderung des Mindsets handelt: Gründen (insbesondere im Studium) erfordert im ersten Schritt meist recht wenig Kapital – außerdem gibt es zahlreiche Unterstützungsangebote wie z.B. das Exist-Programm. Es ist deshalb eine wichtige Aufgabe der Entrepreneurship Education, diesen Hemmnissen und Einstellungen der Studierenden entgegenzuwirken und mit entsprechenden Angeboten Aufklärung über z.B. tatsächliche Risiken und mögliche Förderangebote zu betreiben.

Thesen für die Zukunft

Aus den Ergebnissen der Studie und den Erfahrungen des Projektes wurden drei Thesen für die Zukunft der Entrepreneurship Education an Hochschulen abgeleitet.

  1. ENTREPRENEURSHIP EDUCATION FÜR ALLE STUDIERENDEN: Unternehmerisches Denken und Handeln wird zur Kernkompetenz. Eine breite Integration von Entrepreneurship Education an der Hochschule fördert eine unternehmerische Einstellung der Studierenden: Die Studierenden nehmen Herausforderungen an, erkennen Probleme als Chancen und schaffen mit Freude am Machen Wert für die Gesellschaft.
  2. START-UP EDUCATION FÖRDERT UNTERNEHMERTALENTE: Die Start-up-Förderung an Hochschulen führt zu mehr Gründungen. Hochschulen fördern aktiv Ausgründungen – mehr Studierende und Mitarbeiter der Hochschulen wagen den Schritt von der Idee zur konkreten Gründung und werden dabei durch ein Gründungsnetzwerk mit Know-How und Kontakten unterstützt und begleitet.

ENTREPRENEURIAL MISSION WIRD EINE KERNAUFGABE DER HOCHSCHULE: Die Förderung von Innovation, Kreativität und unternehmerischem Denken ist Teil der Strategie. Die Entrepreneurial Mission verändert die Lehr- und Lernkultur an den Hochschulen – unternehmerisches Denken ist fest in das Selbstverständnis der Hochschule integriert. Hochschulen sind wesentlicher Bestandteil des Innovationsökosystems und wichtig für die regionale Entwicklung. Entrepreneurship wird ein Pfeiler der Transferstrategie, der in Wirtschaft und Zivilgesellschaft wirkt.

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